Samstag, 20. Februar 2016

Abflug mit British Airways über London. 13 Stunden über dem Atlantik. Von 8 Grad auf 28 Grad. Das Taxi bringt mich für 360 Pesos in 45 Minuten zum Hostel Stayinn Barefoot im Stadtteil Condesa. Die Lemonaider Agnes, Gianna, Tom, Daniel, Paul aus Amsterdam sowie Sebastian und Simon, unsere Fahrer, sind bereits seit einem Tag in Mexiko. Mit vom Team Claire, eine engagierte und besonnene Dokumentarfilmerin. Sie haben mit der 18 Millionen Metropole Kontakt aufgenommen und das beeindruckende Frida Kahlo Museum besucht. Michael aus München kommt einen Tag später, allerdings ohne Koffer, der ist in München geblieben. So darf er auf Kosten der Fluggesellschaft „Iberia“ für 500 € Powershoppen, was ihm allerdings nicht gelingt. Kauft ein umweltbewusster junger Mensch Sachen, die er eigentlich nicht braucht?

Wir schlafen für 15 € pro Nacht in einem Mixed Schlafraum des viergeschossigen gemütlichen Hostels. In der Dachbar wird getanzt und gelacht. Um 2 Uhr ist der Lärm vorbei. In einer kleinen Küche bereitet morgens eine Mexikanerin leckeres Frühstück zu. Frisches Obst, Rühreier, Speck, Bohnen, Tomaten und Orangensaft verwöhnen uns. Familien, Einzelreisende, Gruppen, ein bunter Mix. Fröhliche Stimmung.

Sonntag, 21. Februar 2016 

Wir bummeln über Straßenmärkte langsam ins Zentrum zur Kathedrale. Es ist heiß. Die Stadt schläft. Irgendwann nehmen wir zwei Taxis und lassen uns ins Zentrum fahren. Vor wenigen Wochen hat auf dem Platz vor der Kathedrale der Papst zu Millionen Gläubigen gesprochen. 90 Prozent der Mexikaner sind Katholiken, haben sich jedoch Traditionen ihre indigenen Vergangenheit bewahrt. In unserem Taxi baumeln mehrere Ausgaben der Mutter Maria, die Ablage unter der Frontscheibe gleicht einem Altar.

Abends gehen wir mit Isaac, der die medizinische Klinik seiner Eltern leitet, in ein landestypisches Restaurant. Isaac beherbergt Simon, Daniel und Sebastian für drei Nächte. Sie kennen sich von Isaacs Studium in Deutschland. Auf seiner Terrasse genießen wir den Nachmittag im Schatten bei kühlen Getränken. Eine Erholung von der turbulenten Stadt.

Am Nachmittag holen Sebastian und Simon zwei VW Vento von der Autovermietung am Flughafen ab.

 

dscf7201

Montag, 22. Februar 2016

Am frühen Montagmorgen verstauen wir unser Gepäck. Wir starten zum „Instituto Intercultural Ñöñho“ in San Ildefonso im Bundesstaat Querétaro. Schulleiter Alberto erwartet uns. Zunächst steuern wir ein falsches San Ildefonso an. Es geht über Schotterstraßen und durch ein trockenes Flussbett. “Das kann nicht richtig sein.” Google Route wird erneut befragt und zeigt uns ein weiteres. Umkehren, wieder auf die Autobahn, Agnes hat Alberto am Telefon. Er erwartet uns an einer Tankstelle und führt uns ins Instituto. Die Schülerinnen und Schüler haben für uns gekocht. Wir sitzen in bunter Runde unter einer gespannten Persenning und genießen Hähnchen aus der Kooperative mit scharfen Bohnen und Reis. Köstlich!

 

dsc002741

 

Die Sonne brennt. Dann geht es in einen Klassenraum. Mit PowerPoint stellt uns zunächst Alberto die Schule und die Projekte der Kooperative vor. Wir sind beeindruckt. Dann sind wir dran. Agnes hat eine Präsentation über Lemonaid vorbereitet. In perfektem Spanisch. Wir stellen gemeinsam das Rucksackprojekt vor und überreichen 10 Rücksäcke mit Informationen über das Projekt und unsere Schule. (Mehr zu diesem Projekt findet man hier.)

 

dsc00310

 

Wir fahren ein kurzes Stück zur Agrarplantage. Die Schülerinnen und Schüler und einige Lehrer führen uns open air nach Sonnenuntergang ein selbst inszeniertes Theatherstück über eine Frau aus einem Nachbarort auf. Dieser Frau wurde zu Unrecht vorgeworfen, sie hätte sechs Polizisten entführt. Dafür saß sie mehrere Jahre im Gefängnis. Die erste, der die Schüler dieses Dokumentarspiel vorführten, war die Beschuldigte. Ein Lehrstück zum Thema Diskriminierung der indigenen Bevölkerung. Nach tosendem Applaus versammeln wir uns am Lagerfeuer, Eltern der Schule hatten in Maisblätter eingewickelte und gegrillte Maisköstlichkeiten zubereitet.

 

dsc00404

 

Geräuchert und müde erreichten wir unser Hotel in Almeaco. Wow, Doppelzimmer mit jeweils zwei großen Betten. Ein altes Hotel im spanischen Kolonialstil. Nach dem anstrengenden Tag schlafen wir tief.

Dienstag, 23. Februar 2016

Mexikanisches Frühstück verwöhnt uns im Hotel, Tortillas, Rühreier und Bohnen sowie frisches leckeres Obst dürfen nicht fehlen. Dann geht es zur Kooperative zu der die Schule gehört. Unser Rundgang startet in der Fabrikhalle der Kooperative, in der Fliesen zugeschnitten werden.

 

dsc00426

 

Mario Monroy, Gründer der Kooperative, und Alberto Gondínez, Schulleiter des Instituts, setzen sich für ökologische Landwirtschaft der Kooperative und für die indigene Bevölkerung ein. Durch diese Lohnarbeit finanziert sich die Kooperative mit. Vor zwei Jahren stand dieser Zweig vor dem Aus, jetzt werden wieder schwarze Zahlen geschrieben. Der faire Lohn eines Arbeiters beträgt ca. 10 € pro Tag. Der durchschnittliche Lohn für einen ungelernten Arbeiter liegt in Mexiko bei ca. 4 € pro Tag. Für europäische Verhältnisse unvorstellbar.
In einem Stall treffen wir glückliche, freilaufende Hühner. Tom sammelt ein noch warmes Ei ein und legt es behutsam in einen Korb. Sowohl mit den Eiern als auch mit den Hühnern erwirtschaftet die Kooperative Einnahmen.

 

dscf6928

 

Die Farm ist auf dem Weg zu einer Demeterfarm, da sie ihre Abfälle verwendet und biodynamisch anbaut. In Planung ist eine Zucht von Shitake Pilzen, die auch in Mexiko immer beliebter werden.
Nach dem Besuch der Kooperative mit Hühnerzucht, Käserei, Plantagen und Biogasanlage machen wir uns ins Outback auf zu einer indigenen Familie, die ohne Strom und Wasserversorgung in einem Steinhaus lebt. Gekocht wird auf offenem Feuer. Der Indio zeigt uns, wie er Sparschweine aus Ton fertigt. Seine beiden Söhne schauen zu. Der älteste gestaltet ebenfalls aus Ton in einer Form kleine Figuren. Die Indiofrau bietet uns bestickte Kissen und Schals zum Kauf an.

 

dsc00531

 

dscf6973 dsc00555

 

Dann geht es weiter zu einem Köhler, dessen Familie seit Hunderten von Jahren auf diesem Fleck Erde vom Holzkohleverkauf lebt. Sie pflegen den Wald und pflanzen Pinien an. Mit der kargen Landwirtschaft und dem Köhlerhandwerk ernährt er seine Familie mit 13 Kindern. Er ist stolz, dass sie zur Schule gehen können. Die Regierung würde ihn am liebsten von seinem Land vertreiben, die Kooperative unterstützt sein Bemühen um den Wald und sein angestammtes Land.

 

dsc00597

 

Claire und Agnes sind zum Institut gefahren und haben in der Zwischenzeit Gründer, Lehrerinnen, Lehrer und Schülerinnen und Schüler interviewt. Gianna stellt zwei Mädchen die Fragen der 9c. Die mexikanischen Schülerinnen würden sich sehr freuen, die 24 Schülerinnen und Schüler der 9c in ihre Familien aufzunehmen und ihnen ihre Kultur und Sprache zu zeigen.

 

¿Cuentennos un poco sobre su cultura?
¿Porque el nombre del instituto es Ñöñho, tiene algo que ver con su cultura? ¿Cual es su plan de estudios?
¿Cuales la importancia de las universidades interculturales?
¿Cual es la misión del instituto intercultural Ñöñho?
¿Porque el logo de su instituto representa un águila?

 

Ich bekomme einen Umschlag mit vielen Briefen für die Hamburger Schülerinnen und Schüler. Die Hoffnung, dass Hamburger Schülerinnen und Schüler eines Tages das „Instituto Intercultural Ñöñho“ besuchen werden und ein Austausch mit Mexiko startet, scheint mir realistisch.

 

dscf7059

 

Zum Essen kehren wir im Haus von Dona Macedonia Blas Flores, die 2005 für den Friedensnobelpreis nominiert wurde, ein. Sie setzt sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung und besonders für die der Frauen ein. In der Schule hält sie des öfteren Vorträge.

 

dscf7131

Mittwoch, 24.Februar 2016

Am nächsten Morgen werden die Autos gepackt. Über die 2000m hoch gelegene einzigartige Stadt Guanajuato (Weltkulturerbe) geht es weiter nach Cuquio. Diese Stadt mit ihren bunten Häusern verzaubert uns. Noch ist die Stadt nicht stark von Touristen bevölkert. Wir können uns das Treiben im Sommer jedoch gut vorstellen. Wir rasten in einem kleinen Restaurant im Schatten und lassen uns verwöhnen. Kurzfristig verlieren unsere beiden Autos den Kontakt, als wir aus dieser bunten Stadt aufbrechen.

 

dscf7301

 

In Cuquio treffen wir uns wieder. Im Hotel Mesón del Agave finden wir Quartier. Manuel Cruz, Genosse und die Seele der Fairtrade Bauern-Kooperative „Nekutli“, hat es für uns organisiert. Seit Jahren bezieht die Lemonaid GmbH biologischen und fair gehandelten Agavendicksaft von „Nekutli“, der bei den ChariTea-Eistees verwendet wird.
Manuel wartet bereits auf dem Marktplatz auf uns. Buntes Treiben und ausgelassene Stimmung der Bevölkerung lassen uns die staubige und holperige Fahrt durch das Outback Mexikos schnell vergessen. In einer Straßenküche lassen wir uns mit Hot Dogs und Sandwiches auf mexikanische Art verwöhnen.

 

Donnerstag, 25. Februar 2016
Manuel holt uns zum Frühstück in ein kleines Straßen Restaurant ab. Drei Frauen erfüllen uns jeden Wunsch: Frische Früchte, Tortillas (mexikanisches Fladenbrot), Rührei mit allerlei Köstlichkeiten. Nur der Kaffe entspricht nicht so ganz unseren Vorstellungen. Auf der Ladefläche eines Pickups geht es in die Fabrikhallen zum Bio Exporteur Nekutli.

 

dsc00834

 

Wir werden durch den Betrieb geführt, besuchen eine Limonenplantage, kosten köstliche Orangen und Pampelmusen und fällen eine Agave.
Manuel und Victor, ein Farmer und Genosse, bereiten für uns ein Barbecue auf der Plantage. Michael stellt Guacamole aus reifen Avocados und Tomaten zusammen. Köstlich. Gegrillte Kakteenblätter, Lauchzwiebeln und andere Köstlichkeiten rösten auf dem Grill.

 

dscf7481 dsc00899

 

„Habt ihr Lust auf ein Bad im Fluss?“ Na klar. Im firmeneigenen Bus werden wir zu einem Quellfluss gefahren, in dem wir uns erfrischen können. Claire und Agnes interviewen dort Manuel. Die Zukunft der Gesellschaft stimmt ihn nachdenklich und traurig.

Manuel wird uns am kommenden Tag nicht begleiten können. Sein Rat wird in Guadalajara gebraucht. Wir treffen uns mit ihm dort am nächsten Abend in einem Restaurant.

 

dscf7619

Freitag, 26. Februar 2016

Wir werden von einem Genossen von „Nekutli“ im Hotel abgeholt. Es ist vereinbart, dass wir die Produktion von Agavendicksaft sehen sollen. Mit Mundschutz und Kopfbedeckung ausgerüstet, geht es los.

 

dscf7636

 

Wir werden in eine Halle geführt, in der drei Mitarbeiter Agavendicksaft mit Erdbeergeschmack in Flaschen füllen. Die Hallen und Maschinen sind nicht immer in Gebrauch, da je nach Bedarf produziert wird. Mittags geht es durch eine wunderbare, weite Landschaft mit vielen Schluchten von 2800m hinab auf 1590m nach Guadalajara, Perla del Occidente, der Perle des Westens. Der Lonely Planet hat uns ein kleines Hotel empfohlen, das wir Dank Google Routenplaner schnell finden.

In einer Bar, in der ein Tenor Opernarien zum Besten gibt, tauchen wir in den Abend ein. Wir sind guter Laune, die Besuche der Kooperative liegen hinter uns. Morgen geht es zurück nach Mexiko City. Wir treffen Manuel erneut. Ein ganz besonderes Treffen. Er freut sich über unser Interesse und schreibt in das Notizbuch von Agnes nicht nur die Geschichte von „Nekutli“, sondern erklärt uns auch Weltpolitik, gesellschaftliche Besonderheiten und wirtschaftliche Zusammenhänge Mexikos.

Durch Manuel Cruz lernte Lemonaider Jakob die Bildungseinrichtung „Instituto Intercultural Ñöñho“ und deren Macher kennen. Seitdem wird das Institut aktiv vom Lemonaid & ChariTea e.V. unterstützt, um den Fortbestand dieser indigenen Bildungseinrichtung zu sichern.

Samstag, 27. Februar 2016

Bevor es über die Autobahn zurück nach Mexiko City geht, besuchen wir den angesagten Künstlerort Tlaquepaque. Agnes und Gianna finden bunte gewebte Stoffe, mit denen Caps für den Verein Lemonaid & ChariTea gestaltet werden sollen. Touristengeschäfte mit farbenfrohen Textilien und Figuren wechseln sich mit Märkten ab.

 

dsc01290

 

Bisher hat uns die Sonne verwöhnt. Regen begleitet uns nach Mexiko City. Leider können wir bei Isaac nicht wohnen. Er ist krank. Wir klappern mehrere Hostels ab. Alle ausgebucht. So finden wir Quartier in einem Hotel. Wir feiern in Simons 31. Geburtstag hinein. Michi hat derweil Kontakt zum buddhistischen Zentrum aufgenommen. Dort wollen wir die nächste Nacht verbringen.

Sonntag, 28. Februar 2016

Früh morgens fahren Claire, Gianna und Tom zum Flughafen. Sie haben einen Flug an den Pazifik gebucht, eine Woche Strand und Meer. Cynthia Karina empfängt uns im buddhistischen Zentrum. Wir werden herzlich aufgenommen, dürfen in der Gompa, dem Meditationsraum, schlafen.

 

dsc014031

 

Basti und Simon geben zusammen mit Daniel die Autos am Flughafen ab. Wir anderen machen uns auf den Weg zum Anthropologischen Museum, das in 23 Ausstellungshallen die indianischen Kulturen und Epochen Mexikos präsentiert.
Abends laden wir Cynthia in ein mexikanisches Restaurant ein. Straßenmusiker begleiten unser Festmahl, wir fühlen uns wohl und sind dankbar.

Montag, 29. Februar 2016

Sebastian, Simon, Daniel, Michael und Paul fahren mit dem Auto von Isaac zu den Monarchfaltern, die zu Millionen in der Nähe von Mexiko überwintern. Ein einzigartiges Schauspiel. Agnes und ich begeben uns auf einen Fotorundgang durch das Viertel, genießen die Sonnenstrahlen und die Straßenmärkte und frühstücken in einer kleinen Bar.

Am frühen Nachmittag geht es mit dem Taxi zum Flughafen. Cynthia hat es gerufen und den Fahrpreis verhandelt. So zahlen wir den halben Touristenpreis von 150 Peso. Ich fliege mit British Airways über London nach Hamburg, Agnes mit KLM über Amsterdam.

Dienstag, 1. März 2016

21 Uhr Ankunft in Hamburg. Zehn unvergessene Tage liegen hinter uns.

2000 Fotos, mehrere Filmsequenzen und viele Erinnerungen lassen diese Projektreise in mexikanische Kooperativen und zu besonderen Menschen nachklingen.

Ein großes Dankeschön an Agnes Leder, Projektleiterin, Lemonaid & ChariTea e.V., die diese Reise organisierte und an unsere Fahrer Sebastian und Simon, die uns sicher durch das mexikanische Outback kutschierten.

 

dsc007041

Reisende

Lemonaid GmbH Mitarbeiter: Gianna Main, Sebastian Koch, Michael Wagner, Simon Luyken, Thomas Krämer, Daniel Steiner, Paul Bestebreurtje
Dokumentarfilmerin: Claire Roggan
Projektleiterin: Agnes Leder, Lemonaid & ChariTea e.V.
Lehrerin: Cläre Bordes, Stadtteilschule Stellingen Hamburg

Text + Fotos

Cläre Bordes
Stadtteilschule Stellingen, Hamburg 17. März 2016

www.plastikwargestern.de
www.stadtteilschule-stellingen.de
www.claireroggan.de

Filmdokumentationen über die Projektreisen von Lemonaid nach Sri Lanka, Südafrika und demnächst Mexiko.