Ein Kooperationsprojekt von Engagement Global, Lemonaid & ChariTea und REWE Group West.

 

 

Wie entstehen Produkte, die bei uns im Supermarkt landen? Welche Menschen stehen am anderen Ende des Produktionsprozesses? Wie lebt und arbeitet man am anderen Ende der Welt?

All diese Erfahrungen durften zwei Nachhaltigkeitsbotschafterinnen von REWE in Südafrika erleben und auch selbst mit anpacken: Mitarbeiten bei einer nachhaltigen Rooibos-Kooperative in Niouwoudtville, Besuch einer biologischen Zitronenfarm in Kirkwood und weitere Eindrücke durch die sozialen Projekte des Lemonaid & ChariTea Vereins an verschiedenen Orten in Südafrika.

Der Lebensmittelhändler REWE setzt einen hohen Stellenwert bei dem Thema Nachhaltigkeit. Deshalb gibt es in jedem Markt einen Nachhaltigkeitsbotschafter. Mit dem neuen Projekt REWExChange konnten zum ersten Mal Nachhaltigkeitsbotschafter von REWE sich auf ein Programm in Südafrika bewerben und die Produktion von Rohwaren vor Ort miterleben. Ziel des Programms ist es über Auslandserfahrungen und der Mitarbeit bei der Produktion der Rohwaren, die globalen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenhänge besser verstehen zu können. Rund 50 Nachhaltigkeitsbotschafter der REWE West hatten sich auf die Ausschreibung beworben. Die Wahl fiel auf Elena Waller (REWE Koblenz-Karthause) und Romina Kaaf (REWE Bergisch Gladbacher-Strasse, Köln). Damit die beiden nicht ins Ungewisse reisten, erhielten sie ein interkulturelles Training und Englischunterricht von Engagement Global. Engagement Global ist eine Einrichtung zur Förderung der Entwicklungszusammenarbeit und der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit, wie mit dem Programm „Konkreter Friedensdienst“. Dieses qualifiziert junge Berufstätige aus NRW und schickt sie in verschiedenste Projekte auf der ganzen Welt.

Mit dieser Vorbereitung reisten die beiden Anfang Januar nach Kapstadt, Südafrika. Die Reise vor Ort wurde von dem Lemonaid & ChariTea Verein mit Unterstützung des Hauptsponsors, der Lemonaid Beverages GmbH, organisiert und begleitet. Die Lemonaid Beverages GmbH ist ein junges Social-Business aus St. Pauli, Hamburg. Sie wollen über den Verkauf von fair gehandelten Limonaden und Tees den sozialen Wandel aktiv mitgestalten. Mit jeder verkauften Flasche wird neben dem Fairem Handel der Lemonaid & ChariTea Verein unterstützt, der in benachteiligten Regionen weltweit Hilfe zur Selbsthilfe leistet. So auch in Südafrika.

Für den Eistee ChariTea Red kauft Lemonaid den roten Rooibos Tee von der Heiveld Kooperative in Südafrika ein. Die Kooperative, gegründet in 2001, ist aus der Region Suid Bokkeveld, rund 400 km nördlich vom Kapp der Guten Hoffnung. Die 74 Mitglieder der Kooperative produzieren in nachhaltiger kleinbäuerlicher Landwirtschaft ökologischen und fair gehandelten hochwertigen roten und grünen Rooibos Tee. Als Zusammenschluss ehemals als „coloured“ diskriminierter Bauernfamilien ist ein Bündnis mit hoher Symbolkraft: Früher war der Rooibosanbau nur weißen Farmern erlaubt.

 

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Heiveld Mitglieder bei der Ernte von Rooibos. ©Albert Retief.

 

Die Zeit bei der Kooperative und die Mitarbeit bei der Ernte, waren für Elena eindrucksvolle Tage: „Besonders herausfordernd war es bei hoher Temperatur, ohne Schatten und ohne Abkühlung mit auf dem Feld zu arbeiten. Hier wurde einem bewusst wie anstrengend es ist Rooibos Tee zu ernten und was es heißt den ganzen Tag auf dem Feld zu stehen und bückend den Tee zu ernten. Am Ende des Tages war ich wirklich K.O.“

Daniel, der Vertriebsleiter Süd/West im Lebensmitteleinzelhandel arbeitet für die Lemonaid beverages GmbH und begleitete die beiden vor Ort: „Bis vor unserem Besuch bei Heiveld habe ich mit biologischer Landwirtschaft noch nicht verbunden, dass es auch sehr viel mehr Handarbeit bedeutet, als konventionelle Landwirtschaft. Zum Beispiel werden die Raupen, die die Rooibos Pflanze auffressen, händisch entfernt und nicht wie bei der konventionellen Landwirtschaft mit Gift bekämpft.“

Die beiden Nachhaltigkeitsbotschafterinnen erlebten den ganzen Produktionsprozess: „Einzelne Tage umfassten das Kennenlernen der Rooibospflanze, die Ernte, die Fermentation, den Trocknungsprozess sowie das Verpacken des Endproduktes. Darüber hinaus wurden wir mit der Samenernte und Kultivierung der Nutzpflanze bekanntgemacht und lernten Flora und Fauna von Heiveld kennen.“ So der Verkaufsleiter Norddeutschland von Sebastian Koch von der Lemonaid Beverages GmbH „Neben der Heiveld Kooperative lernten wir noch die beiden eng verbundenen Nicht-Regierungs-Organisationen EMG und INDIGO kennen, die ebenfalls in Niewoudtville sitzen.“ Mit diesen beiden Organisationen hat der Lemonaid & ChariTea Verein in den vergangenen Jahren zum Beispiel ein Regenwassernotfall-System für die Kooperative aufgebaut, als auch Solarsysteme für die Haushalte der Kooperativenmitglieder angeschafft. Romina findet einen weiteren Aspekt sehr interessant: „Die Eindrücke die ich von Heiveld habe sind sehr positiv. Was mich fasziniert hat ist, das überwiegend Frauen bei Heiveld die höheren Positionen haben. Es ist ein Unternehmen was gut organisiert ist, es leider aber durch die Begebenheiten mit dem Wetter z.B. nicht immer einfach für sie ist, mit der Ernte nachzukommen. Es gibt nicht viele Farmen die Rooibos anbieten können, der Fairtrade und Bio ist. Und da dies für unsere Gesellschaft immer wichtiger wird, sollte man auch bereit sein, dafür das nötige Kleingeld auszugeben und somit den Farmern im Ausland die nötige Unterstützung bieten ein geregeltes und faires Gehalt für ihre Arbeit zu erhalten. Die Arbeit ist viel Aufwendiger und Zeitintensiver als bei konventionellen Produkten.“

Die Reise glich keinesfalls einer normalen Reise nach Südafrika, sondern veranschaulichte das wahre Leben und Arbeiten in Südafrika. Hierzu Daniel: „Dabei haben wir auch die Kultur der Menschen vor Ort kennengelernt. Wir haben zusammen gegessen, uns viel unterhalten und zusammen getanzt. Sehr schön fand ich auch, dass wir nicht in irgendeinem Hotel oder Backpackers geschlafen haben, sondern in den gleichen Hütten wie die Einheimischen. So haben wir gute Einblicke in das tägliche Leben von den Einheimischen erhalten. Zum anderen habe ich sehr viel über die Geschichte und Kultur von Südafrika gelernt. Ich verstehe nun deutlich besser, warum es die Armut bzw. ungerechte Verteilung zwischen arm und reich gibt. Und ich habe auch verstanden, dass wir als Europäer eine Verantwortung tragen. Auch wir können mit unserer Stimme in einer Demokratie etwas verändern.“

Diese Ungleichheiten konnte die Gruppe bei einem weiteren Besuch am anderen Ende von Südafrika erleben. Sie waren zu Besuch bei dem Bulungula Incubator. Die Organisation arbeitet im Ostkapp im einem ehemaligen „Homeland“. Diese Gegend wurde während der Apartheid wenig entwickelt – bis heute ist die soziale und wirtschaftliche Situation eine große Herausforderung für die Bevölkerung. Der Lemonaid & ChariTea Verein unterstützt ein Projekt des Bulungula Incubators. Ziel des Projekts ist die Schaffung nachhaltiger Einkommensquellen. Bisher sind 93% der Bevölkerung arbeitslos – viele Nahrungsmittel werden jedoch von außerhalb importiert. Das Projekt schafft den Zugang, das Wissen und die benötigten Werkzeuge, um Landwirtschaft sowohl für die eigene Versorgung lokal zu betreiben. Als auch um Lebensmittel zum Verkauf anzubieten und somit einen lokalen Markt aufzubauen.

Der letzte Stop führte Romina und Elena zu den Zitronenfarmen. Sie besuchten einen Zusammenschluss von vier südafrikanischen Farmern, die seit 2003 biologische Zitrusfrüchte auf einer Fläche von 250 Hektar bewirtschaften. Von ihnen bezieht die Lemonaid Beverages GmbH den frischen Zitronensaft für ihre Getränke. Auch hier ist der Unterschied zwischen biologischer und konventioneller Landwirtschaft deutlich zu erkennen: Auf einer Farm mit konventioneller Landwirtschaft arbeiten 0,9 Personen pro Hektar. Auf einer Farm mit biologischer Landwirtschaft arbeiten 3 Personen pro Hektar. Auch hier wurde fleißig mit angepackt und die Zitronen per Hand gemeinsam mit den einheimischen Arbeitern geerntet.

Insgesamt konnten die beiden Nachhaltigkeitsbotschafterinnen Elena und Romina und Sebastian und Daniel von Lemonaid viel in den vier Wochen in Südafrika erleben. Am eindrücklichsten blieb Elena der Unterschied zu dem Leben hier im Kopf: „‚Man betrachtet vieles mit anderen Augen und schätzt vieles auch mehr Wert. Und wenn es nur so Kleinigkeiten sind wie z.B das fließende Wasser zu Hause, oder der Strom aus der Steckdose.

Bei den Lebensmitteln wird einem bewusst wie viel Arbeit dahinter steckt und warum ein Produkt eben teurer ist. Mir wurde es wichtiger auch biologische und Fairtrade Produkte zu kaufen um Fairtrade Organisationen zu unterstützen.“

 

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Abschiedsgruppenfoto. ©Albert Retief.