Seit Mai 2017 unterstützt der Lemonaid & ChariTea e.V. zwei Projekte der Non-Profit Organisation Nceduluntu. Dazu gehört, neben einem Imkereiprojekt, eine Gärtnerei für Gemüsesetzlinge im südafrikanischen Wesley. Die Aufzucht der Setzlinge liefert einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherheit und Unabhängigkeit in der strukturell benachteiligten Region.

 

Die Gemeinde Wesley liegt im Ostkap. Die dort während der Apartheid verfolgte Politik, hat in dieser Gegend deutliche Spuren hinterlassen. In Wesley sind die Arbeitslosenrate und die Anzahl der Menschen die in extremer Armut leben weitaus höher als im Rest der südöstlich gelegenen Provinz. Aufgrund der schlecht geführten und mangelhaften Gesundheits- und Bildungssysteme, der Abgelegenheit der Gegend und fehlender Arbeitsplätze sind die Zukunftsperspektiven für die Gemeindemitglieder trostlos. Dem Staat bereitet es Schwierigkeiten in der Region, die selbstgesteckten Entwicklungsziele zu erfüllen und grundlegende öffentlichen Dienstleistungen, wie den Zugang zu Trinkwasser oder sanitären Einrichtungen, bereitzustellen.

 

Gegründet wurde die noch junge Organisation Nceduluntu von einem Südafrikaner, mit der Absicht durch gemeinschaftsorientierte Projekte die sozioökonomische Entwicklung in der Region zu fördern. Der Fokus von Nceduluntu liegt dabei auf der Befähigung der Bevölkerung sich selbst zu helfen, durch die Stärkung von professionellen Fertigkeiten und dem persönlichen Kapazitätsaufbau. Um die hohe Anzahl von Kindern mit Mangelernährung im Dorf zu reduzieren, wurde 2002 ein erstes Programm aufgebaut, durch das 523 Kindern täglich Zugang zu Nahrung gewährt wird. Im Angesicht des wachsenden Engagements wurde das „Nceduluntu Wesley Community Project“ 2016 in Südafrika als wohltätige Organisation registriert.

 

Für viele Haushalte sind Lebensmittel unerschwinglich

Trotz fruchtbarem Boden, Zugang zu Wasser und vorhandener Arbeitskraft ist der Zugang zu frischen Lebensmitteln in der Region erschwert, denn Gemüse wird auf den eigenen Feldern nicht angebaut. Die auf den lokalen Märkten angebotenen Lebensmittel sind oft sehr teuer, da sie aus anderen Regionen importiert und transportiert werden müssen. Durch Inflation und starke Trockenheit hat sich die Situation über die letzten Jahre immer weiter zugespitzt. Viele Familien sind kaum noch in der Lage ihren eigenen Bedarf zu decken, was besonders für die Kinder gesundheitliche Folgen hat.

 

Dabei hat sich der fehlende Zugang zu Samen und Setzlingen als größtes Hindernis für den Eigenanbau erwiesen. Um Saatgut oder Setzlinge zu kaufen müssen lange Reisen angetreten werden, die für die Anwohner*innen von Wesley beschwerlich und teuer sind. Um diesem Problem zu begegnen hat Nceduluntu mit dem Aufbau einer eigenen Gärtnerei auf dem Grundstück des Zentrums begonnen. Hier soll in Zukunft Gemüsesaat zu Setzlingen hochgezogen werden, die dann zu erschwinglichen Preisen in Wesley und den umliegenden Gemeinden erworben werden können. Die Einnahmen sollen auf lange Sicht die laufenden Kosten der Gärtnerei tragen.

 

setzlinge im nceduluntu gewächshaus

Erste Setzlinge im Nceduluntu Gewächshaus.

 

Besuch beim Bulungula Incubator

In den Monaten seit Projektbeginn im Mai hat sich viel getan. Das Projekt startete mit zehn motivierten Gemeindemitgliedern. Ein Workshop über Permakultur hat stattgefunden und es wurde mit der Installation eines Gewächshaustunnels, des Bewässerungssystems und anderer Infrastrukturmaßnahmen begonnen. Tipps und Ratschläge bekam Nceduluntu während eines Besuchs bei einem unser südafrikanischen Projektpartner, dem „Bulungula Incubator“. Projektkoordinatorin Colette Tilley beschreibt diese Erfahrung wie folgt:

„Drei Projektteilnehmende und ich sind zum Bulungula Incubator gereist, der uns vom Lemonaid & ChariTea e.V. vorgestellt wurde. Der Besuch war extrem hilfreich und hat uns einige unserer Pläne überdenken lassen. Dave Martin [Gründer des Bulungula Incubator] gab uns wichtige Ratschläge und nützliche Kontakte um Zubehör zu beschaffen, dem Design und Aufbau eines Bewässerungssystems und den Produktionsprozess zu übersehen. Wir sind sehr dankbar für den Kontakt und sind seitdem im Austausch.“

Diese Start-up Phase des Gärtnereiprojekts wird vom Lemonaid & ChariTea e.V. unterstützt. Neben der notwendigen Infrastruktur die für den Aufbau der Gärtnerei benötigt wird, werden Stipendien an Projektteilnehmer vergeben und Kosten für Personal getragen.

 

Im November 2017 wurden die ersten Setzlinge erfolgreich verkauft. Die Gemeinschaftsprojekte von Nceduluntu liefern einen wertvollen Beitrag zur Ernährungssicherheit in der strukturell vernachlässigten Gegend, sie kurbeln die lokale Wirtschaft an und schaffen dringend benötigte Arbeitsplätze in der Region.