Seit Juni 2017 unterstützt der Lemonaid & ChariTea e.V. das Frauenkreditprogramm der gemeinnützigen Organisation „Rwanda Sustainable Families“ (RSF) in den Regionen Rubavu und Rugerero in Ruanda, welches Frauen aus ländlichen Regionen durch die Vergabe von Mikrokrediten die Möglichkeit gibt, ein finanziell unabhängiges Leben zu führen und somit ihre Lebensumstände zu verbessern.

 

Als die amerikanische Ärztin Nancy Lasseter im Jahr 2010 zum Arbeiten in die Rubavu Region kam, wunderte sie sich, dass viele der Kinder, die sie traf nicht zur Schule gingen. Sie erfuhr, dass die Frauen, welche sich um die Kinder kümmerten oft in der angrenzenden Demokratischen Republik Kongo arbeiteten und sich die Schulgebühren für die Kinder nicht leisten konnten. Daraufhin gründete sie die Initiative „Rwanda Sustainable Families“. Die Initiative unterstützt ruandische Frauen durch die Vergabe von Mikrokrediten dabei, kleine Geschäfte aufzubauen. So soll den Kindern der Familien der Zugang zu Bildung ermöglicht und der Armutskreislauf schlussendlich durchbrochen werden. Durch die gute Arbeit der Initiative vor Ort konnte mittlerweile außerdem ein Kindergarten eröffnet und die NGO „Rwanda Sustainable Families“ (RSF) institutionalisiert werden.

 

Ruanda nimmt in Sachen Gleichberechtigung der Geschlechter eine Vorreiterrolle ein. Das ruandische Parlament hat einen Frauenanteil von 64 Prozent, die Gender Gap in Ruanda gilt zu 80 Prozent als geschlossen. Trotzdem sind besonders in den ländlichen Regionen Ruandas die Frauen finanziell benachteiligt und leiden unter wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Marginalisierung. Häufig sind sie abhängig von ihrem Mann, Vater oder sogar Sohn, der den Vorstand in der Familie innehat. Außerdem finden sich Frauen häufig in einer größeren Verantwortungsposition gegenüber ihren Familien und der Dorfgemeinschaft wieder.

 

Das Frauenkreditprogramm ermöglicht es nun Frauen, von denen einige mit dem HI-Virus infiziert sind, unternehmerisch tätig zu werden. Die Frauen nutzen den Kredit um Investitionen in ihre Geschäftsidee vorzunehmen. Um ihre Geschäftsidee erfolgreich umzusetzen erhalten die Frauen Schulungen in Themen wie Buchhaltung, Umsatzzielsetzung und Kundenidentifikation.

 

Herstellung von Färbemittel. © Jean Bizimana

 

 

Mikrokredite ermöglichen den Aufbau neuer Existenzen

 

Durch das Projekt erhalten Frauen Zugang zu finanziellen Ressourcen die ihnen sonst verwehrt wären. Eine von ihnen ist Albertine Nsangiaranabo. Sie war in der Lage ihr kleines Unternehmen sukzessive zu vergrößern und konnte sich ihren Traum von einem eigenen kleinen Laden erfüllen. Mittlerweile hat sie auch ein kleines Café integriert, welches von ihrem Mann geführt wird.

 

Albertine über ihre Erfahrung mit RSF: „Ich bin Rwanda Sustainable Families sehr dankbar, dass ich eine ihrer Begünstigten bin und somit die vielen Möglichkeiten, die sich mir durch das Programm eröffnen, nutzen kann. Heute bin ich keine Bittstellerin mehr, sondern trage eine Menge zur Entwicklung meiner Familie bei. Ich bin eine Frau von Wert in meiner Familie.“

 

Albertine Nsangiaranabo in ihrem eigenen Laden. © Jean Bizimana

 

 

Zur Gewährleistung der Rückzahlung des aufgenommenen Kredits, schließen sich die Frauen in Kooperativen zusammen, in denen sie gegenseitig für sich bürgen. Eine der Kooperativen hat sogar ein Rücklagen-System entwickelt, um für mögliche Verzögerungen im Rückzahlungsprozess aufkommen zu können. Außerdem verwenden die Kooperativen ein Teil des geliehenen Geldes nun auch für kommunale, gemeinsame Projekte. So wird die Lebensqualität nachhaltig für alle verbessert. Die Buchführung und Verwaltung über die Vergabe der Kredite haben drei Schatzmeisterinnen übernommen die alle mit ihren Schlüsseln anwesend sein müssen um auf die Unterlagen zugreifen zu können.

 

Bisher haben 60 Frauen von der Kreditvergabe durch Rwanda Sustainable Families profitiert. Durch die Unterstützung des Lemonaid & ChariTea e.V.s wird der Fund vergrößert und jedes Jahr bekommen 70 weitere Frauen die Möglichkeit durch die Aufnahme eines Kredits ihre Lebenssituation eigenständig zu verbessern.

 

Durch das Frauenkreditprogramm wird die Position von Frauen in ländlichen Gebieten Ruandas als gleichberechtigte Partnerin in der Familie und der Gemeinschaft gestärkt. Die soziale und ökonomische Eingliederung in die Gesellschaft versetzt die Frauen dazu in die Lage, sich und ihren Kindern eine neue Perspektive abseits von Armut, aufzuzeigen.

 

Schaztermeister*innen für die Vergabe der Kredite. © Jean Bizimana