Das Instituto Intercultural Ñöñho (IIÑ), die erste indigene Fachhochschule im Staat Querétaro in Mexiko, feiert in diesem Jahr 10-jähriges Bestehen. Der Beginn des neuen Jahres ist eine hervorragende Gelegenheit die Ereignisse der letzten zehn Jahre der Organisation und damit die letzten fünf Jahre der Zusammenarbeit mit dem Lemonaid & Charitea e.V. zu teilen.

 

Seit 2014 besteht die Partnerschaft zwischen Verein und Instituto. Während dieser Zeit haben wir bereits einige Male über die Projekte in und um das IIÑ berichtet. Was die Organisation und Projekte sind und welche politischen und kulturellen Hintergründe die Arbeit prägen, haben wir hier noch einmal zusammengefasst.

 

 

Der Bundesstaat Querétaro

Die Menschen in Querétaro leben zu großen Teilen von der Landwirtschaft. In den ländlichen Regionen leben vorwiegend indigene Bevölkerungsgruppen. Nur gut 60 Prozent der auf dem Land lebenden Menschen, haben nach der Grundschule eine weiterführende Schule besucht. Außerdem fehlen Strom- und Wasseranschlüsse dort weitestgehend. Hier hat sich das IIÑ zur Aufgabe gemacht, die Gemeinschaft zu stärken, indem es mit Hilfe des von ihnen angebotenen Studiengangs Zukunftsperspektiven für die indigene Bevölkerung aufzeigt. In dieser Ausbildung am Instituto bekommen die Studierenden nicht nur Werkzeuge an die Hand, die es ihnen ermöglichen eine solidarische Gemeinschaft und Berufsperspektiven für ihre Region zu entwickeln. Sie lernen über die Bedeutung ihrer Kultur und die Bewahrung dieser. Die Themen erstrecken sich also über die Bereiche Umwelt, nachhaltige Nahrung und Lebensmittelbeschaffung, Klimawandel und besonders: kulturelle Identität.

 

 

Kultur und Identität

In ganz Mexiko gibt es über 60 verschiedene indigene Sprachen und Ethnien. Mexiko ist somit ein Vielvölkerstaat. Die starken sozialen und ökonomischen Disparitäten sind allerdings sowohl in Gesundheits-, als auch Bildungsindikatoren sichtbar. Daraus resultiert folgende Problemstellung: Menschen identifizieren sich nicht länger mit ihrer Kultur und tragen so zu ihrem Abbau bei. Um das zu ändern, muss Veränderung in den Menschen selbst ermöglicht werden. Ist man jedoch täglich mit existentiellen Ängsten konfrontiert, fallen Veränderungen in weniger priorisierten Belangen schwer.

 

Das IIÑ möchte Gemeinden errichten, die einen höheren Grad an Autonomie besitzen. Autonomie in Sachen wie Energie, Bildung, Ökologie und Ökonomie. Nicht zuletzt gehört in diese Auflistung aber auch die Kultur. Denn in der Kultur liegt jahrtausendalte Weisheit. Durch die Verbindung dieses Erfahrungsschatzes mit neuartigen Technologien und Möglichkeiten, will das IIÑ Alternativen für eine nachhaltigere und fairere Welt scahffen, in der sozial-ökonomische Ansätze die Gemeinschaft substanziell stärken.

 

 

Was bisher geschah…

 

2009

Am 12. Oktober 2009 wurde das Instituto eingeweiht. Ziemlich passend zum Tag der Interkulturalität.

 Im September beginnen 9 junge Frauen und 3 Männer mit ihrem Studium solidarischer Ökonomie.

2010

5 Student*innen können ein Studium am Instituto beginnen.

1 Mann und 4 Frauen starten in diesem Jahr mit ihrer Ausbildung .

2011

4 Frauen und 5 Männer aus Querétaro bilden 2011 die dritte Generation von Student*innen.

Auf dem Bild sieht man übrigens die erste Studentin des Instituts, die mittlerweile sogar Professorin ist! Umrahmt wird sie links vom Leiter des Institutes Mario, und rechts von Alberto, Schatzmeister des Vorstands. 

2013

¡Felicidades! Das Institut hat die erste Hürde gemeistert: 13 Absolvent*innen, aus der ersten und zweiten Generation, haben das Studium erfolgreich abgeschlossen.

Darunter 2 Männer und 7 Frauen.

2014

2014 beginnt die Partnerschaft zwischen dem Instituto und dem

Lemonaid & ChariTea e.V.

Gleichzeitig starten 3 Studierende in ihr Studium.

Im September sind es dann gleich 14 Frauen und 6 Männer,

also 20 Studierende und somit so viele wie noch nie zuvor!

Währenddessen schließt die dritte Generation mit insgesamt 8 Studierenden ihr Studium ab. 

2015

6 Männer und 7 Frauen beginnen 2015 ihr Studium.

Außerdem  besucht Lemonaiderin Sophia Denz das Instituto, während ihres Trips durch Amerika.

Im selben Jahr gründet sich an der Stadtteilschule Stellingen die Profilklasse „Stellingen goes Mexiko“ mit dem Profilprojekt „Plastik war gestern“; die in diesem Projekt entstandenen Jutebeutel werden verkauft und der Erlös geht über den Lemonaid & ChariTea e.V. direkt an das Instituto.

2016

7 Jahre Instituto, die 7. Generation und 6 neue Studierende!

Und der Lemonaid & Charitea e.V. geht auf Projektreise – mit 7 weiteren Lemonaidern bereisen wir Mexiko und besuchen unsere Projekte. Dabei werden wir von einem Filmteam begleitet 

2018

6 Studierende starten im September 2018 ihr Studium, und 8 machen ihren Abschluss.

Wir fördern weiter: Mit dem Jahr 2018 beginnt eine neue Förderperiode von 3 Jahren.

2019

2019 steht schon das Jubiläum an!

10 Jahre Instituto Intercultural Ñöñho.

Ende dieses Jahres wird die 7. Generation dann ihren Abschluss machen.

 

 

Was die Zukunft bereithält…

Seit der neuen Förderungsperiode Anfang 2018 fokussiert sich das Instituto auf den Ausbau der Farm und die praxisorientierte Veränderung des Studiengangs. Die seit Beginn des Institutos existierende Farm, ist Teil der neuen Förderperiode. Das Instituto will in Zukunft ihre Ausgaben zu mindestens 50% selbst tragen. Durch die Farm erwirtschaften sie zusätzlich finanzielle Mittel und tragen mit ökologischer Landwirtschaft zu Ernährungssouveränität und umwelt- sowie klimaschonender Landwirtschaft bei.

 

Den am IIÑ angebotenen Studiengang  zur solidarischen Ökonomie absolvieren die Studierenden in zweieinhalb Jahren bzw. zehn Quartalen. Die ersten zwei Jahre sind gleich, danach wählt jede*r für das abschließende halbe Jahr eine Vertiefung. Der Abschluss, den die Studierenden am Ende erlangen ist mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung in Deutschland vergleichbar. Sie berechtigt außerdem zu einem weiterführenden Hochschulstudium. Am IIÑ werden die Studierenden dazu ermutigt, nach Abschluss, einem weitergehenden Studium nachzugehen. Oder sie absolvieren eine Weiterbildung in der sie unter Anderem pädagogische Fähigkeiten lernen um wiederum selbst am Instituto lehren zu können. Deshalb sorgt ein Förderprogramm in Zukunft dafür, dass der Studiengang, zum einen praxisorientierter gestaltet wird, und zum anderen die Studierenden schon während des Studiums gemeinsam mit den Lehrkräften an ihrer Projekt-, bzw. Businessidee arbeiten können.

 

 

Ausbildung in solidarischer Ökonomie

Solidarische Ökonomie bedeutet die kollektive, solidarische und hierarchiefreie Organisation von Arbeit mit folgenden fünf Kriterien:

  1. Gemeinschaftliche Selbstverwaltung,
  2. Ökologie im Sinne von umweltschonendem Konsum, sowie umweltschonender Produktion,
  3. Kooperation, also die Errichtung von Netzwerken verschiedener Betriebe, statt des überdimensionalen Wachstums nur einer riesigen Wirtschaftsmacht,
  4. Wirtschaftlichkeit, also gewinnbringende Aktivitäten,
  5. Gemeinwohlorientierung, also das die Arbeit zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Gemeinschaft beiträgt.

 

Das IIÑ vereint in seinem Ansatz nicht nur die Themen rund um Sozialunternehmertum und einkommensgenerierenden Aktivitäten in der Landwirtschaft. Es kämpft für den Erhalt und die Wiederbelebung von Kultur und jahrhundertealtem, heute noch so relevantem Wissen, und nimmt darin eine Vorbildrolle ein. Es stärkt mit seinen Aktivitäten die ländlichen Regionen und schenkt jungen Menschen eine Perspektive in ihrer Heimat. Wir wünschen dem Instituto schon heute alles Gute: Auf mindestens weitere 10 Jahre.