Die Bedeutung von Landwirtschaft als regionale Einkommensquelle und zum Erhalt der Ernährungssicherheit ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Die anhaltende globale Pandemie hat diesen Effekt nochmal verstärkt. Nach drei Jahren Projektförderung voller Höhen und Tiefen freuen wir uns darauf, den Bulungula Incubator für weitere drei Jahre als Partner unterstützen zu können. Ihr neues Projekt „Masilime Sonke – Let’s farm together“ zielt darauf ab, Landwirtschaft als profitable Einkommensquelle im Ostkap von Südafrika zu etablieren. Auf diese Weise will das Team vom Bulungula Incubator ihre gute Arbeit aus den letzten Jahren fortsetzen und somit weiterhin die durch die Klimakrise stark betroffene Region am Ostkap Südafrikas sozioökonomisch stärken.

Der Bulungula Incubator befindet sich in einem ländlichen Teil des Mbhashe Bezirks, einem der ärmsten Gebiete Südafrikas. Dies ist eng damit verbunden, dass die Region während der Apartheid zum ethnisch segregierten, stark vernachlässigten Homeland „Transkei“ gehörte. Als Folge davon ist die Gegend bis heute schlecht an den Rest des Landes und damit auch an überregionale Märkte angeschlossen. Viele (infra-)strukturelle Probleme wie der unzureichende Zugang zu Nahrungsmitteln, sauberem Trinkwasser, Bildung und landwirtschaftlichen Gütern wie Saatgut und Dünger prägen auch weiterhin die Region. Seit einigen Jahren leidet die Bevölkerung des gesamten Ostkaps außerdem stark unter den verheerenden Folgen der Klimakrise. „Wetterextreme“ ist hier das Stichwort: Zunächst führte eine über mehrere Jahre anhaltende Trockenheit ab dem Jahr 2015 zu einer der schlimmsten Dürren seit Generationen. Ende 2019 kam endlich der Regen, allerdings in solch ungewöhnlich großen Mengen, dass auch diese Niederschläge – ähnlich wie zuvor die Dürre – einen Großteil der Ernten vernichteten. Ein (leider) klassisches Beispiel von globaler Ungleichverteilung von Verursachung und Auswirkungen der Klimakrise: Menschen im Globalen Süden trugen bzw. tragen vergleichsweise sehr wenig zur Erhöhung der Treibhausgasemissionen bei, leiden aber auch heute schon sehr stark unter ihren Folgen.

Der Bulungula Incubator befindet sich in einem ländlichen Teil des Mbhashe Bezirks, einem der ärmsten Gebiete Südafrikas. Dies ist eng damit verbunden, dass die Region während der Apartheid zum ethnisch segregierten, stark vernachlässigten Homeland „Transkei“ gehörte. Als Folge davon ist die Gegend bis heute schlecht an den Rest des Landes und damit auch an überregionale Märkte angeschlossen. Viele (infra-)strukturelle Probleme wie der unzureichende Zugang zu Nahrungsmitteln, sauberem Trinkwasser, Bildung und landwirtschaftlichen Gütern wie Saatgut und Dünger prägen auch weiterhin die Region. Seit einigen Jahren leidet die Bevölkerung des gesamten Ostkaps außerdem stark unter den verheerenden Folgen der Klimakrise. „Wetterextreme“ ist hier das Stichwort: Zunächst führte eine über mehrere Jahre anhaltende Trockenheit ab dem Jahr 2015 zu einer der schlimmsten Dürren seit Generationen. Ende 2019 kam endlich der Regen, allerdings in solch ungewöhnlich großen Mengen, dass auch diese Niederschläge – ähnlich wie zuvor die Dürre – einen Großteil der Ernten vernichteten. Ein (leider) klassisches Beispiel von globaler Ungleichverteilung von Verursachung und Auswirkungen der Klimakrise: Menschen im Globalen Süden trugen bzw. tragen vergleichsweise sehr wenig zur Erhöhung der Treibhausgasemissionen bei, leiden aber auch heute schon sehr stark unter ihren Folgen.

Das Team des Bulungula Incubators ® Bulungula Incubator

Gute Beziehungen zur lokalen Gemeinschaft als Schlüssel zum Erfolg

Die gemeinnützige Organisation des Bulungula Incubators ist seit 2004 in der Region an der Wild Coast aktiv. Mit dem Ziel, die positive Entwicklung des traditionellen ländlichen Lebens zu stärken, verfolgen sie seither einen sehr inklusiven, breit angelegten Ansatz. Ihre Arbeit umfasst beispielsweise Aufklärungsprogramme über Gesundheit und Ernährung, Förderung der Soziokultur und umfassende Bildungsmaßnahmen für Kinder in verschiedenen Altersstufen. Ihre Arbeit kommt in der lokalen Bevölkerung sehr gut an. Entscheidend dafür ist, dass das Team vom Bulungula Incubator all ihre Projekte von Anfang an in enger Zusammenarbeit mit der örtlichen Gemeinschaft plant und umsetzt. Im Rahmen einer Projektreise besuchten wir 2017 den Bulungula Incubator und berichteten in einem ausführlichen Artikel über die Gründungsgeschichte, die Ansätze und Projekte der Einrichtung.

Mithilfe der finanziellen Förderung durch den Lemonaid & ChariTea e.V. seit 2017 hat die Einrichtung erfolgreich das „Bulungula Zentrum für exzellente kleinständische Landwirtschaft“ ins Leben gerufen. Das auf den Xhosa Namen „Masimilie Ngqo“ („Let us Farm Well!”) getaufte Zentrum etablierte sich in den letzten drei Jahren als wertvolle Anlaufstelle für Farmer:innen in der Region. Neben landwirtschaftlichen Bildungsprogrammen bot die Einrichtung der lokalen Bevölkerung Gemüse-Setzlinge, Saatgut, Dünger sowie Anbau- und Bewässerungssysteme zu fairen Preisen zum Verkauf an. Das Team vom Bulungula Incubator entwickelte außerdem eine Methode, um verschiedene, von lokalen Farmer:innen gelieferte Feldfrüchte wie Rote Beete und Paprika in größerem Umfang einzulegen und überregional erfolgreich zu vertreiben (Die Ergebnisse der ersten drei Jahren der Projektförderung könnt ihr in diesem Artikel nachlesen).

Eingelegte Paprika vom Bulungula Centre © Bulungula

Stipendien als Motivator für Berufe in der Landwirtschaft

Im letzten Jahr der Projektförderung startete der Bulungula Incubator ein neues Projekt: ein Stipendienprogramm für vier besonders motivierte Farmer:innen aus der Region. Das Bulungula Centre stattete die ausgewählten Bäuer:innen mit allem notwendigen Know-how sowie Geräten und Systemen aus, um Landwirtschaft in kommerziellen Stil zu betreiben. Außerdem erhielten sie ein halbes Jahr lang finanzielle Unterstützung in Form von kleinen Stipendien und wurden ausführlich bezüglich der Bewirtschaftung ihrer Felder beraten. Das Projekt hat einen Modell-Charakter: Die Idee ist es, den vier ausgewählten Landwirt:innen, aber auch der restlichen Bevölkerung zu zeigen, dass Landwirtschaft noch mehr sein kann, als die eigenen Familie zu ernähren. Ein gut laufendes Agrarbusiness kann ein vergleichsweises hohes Einkommen für die Region generieren, und gleichzeitig zur Nahrungsmittelsicherheit in der Region beitragen. Dies hat der erste Testlauf des Stipendienprogramms auf jeden Fall erfolgreich bewiesen: Trotz des heftigen Niederschlags konnten drei der vier Farmer:innen durch die erste Ernte einen großen Gewinn erzielen, zwei davon führen auch heute noch ein selbsttragendes Landwirtschaftsunternehmen.

Aufbauend auf den hervorragenden Ergebnissen und Erfahrungen aus dem letzten Jahr, will das Team des Bulungula Incubators ihr Stipendienprogramm nun auf ein neues Level heben: Finanziell unterstützt vom Lemonaid & ChariTea e.V. sollen in den nächsten drei Jahren insgesamt 36 junge Farmer:innen dabei begleitet werden, ihr eigenes erfolgreiches Agrarbusiness aufzubauen. Jedes Jahr werden jeweils zwölf ausgewählte Stipendiat:innen in das achtmonatige Förderprogramm aufgenommen. Neben den monatlichen Stipendien, werden die Teilnehmenden zu Beginn des Programms mit Bewässerungssystemen und Saatgut ausgestattet. In Kooperation mit der Buhle Farmers Academy erhalten die Farmer:innen zusätzlich eine professionelle Ausbildung in Gemüseanbau.

Die Region benötigt unbedingt profitable Landwirtschaft

Ziel des Projekts ist es also, den Menschen am Xhosa River das Potential von intensiver Landwirtschaft als profitable Einkommensquelle aufzuzeigen. Dies soll verhindern, dass junge Menschen auf der Suche nach einer Anstellung in die Städte ziehen. Das Team des Bulungula Incubators geht davon aus, dass auch diesmal die Erfolgsrate bei etwa 50 Prozent liegen könnte. Aber auch 18 neue, profitable Agrarunternehmen wären ein tolles Ergebnis, das die Region deutlich verändern würde: Zum ersten Mal überhaupt gäbe es in der Region eine größere Anzahl an kommerziellen Landwirt:innen. Getreu dem Namen des Projekts – Masilime Sonke („Let’s farm together“) –, könnte dies weitere Anwohner:innen dazu inspirieren, den etablierten, erfolgreichen Farmer:innen um sie herum zu folgen. Damit wird hoffentlich ein positiver Kreislauf in Gang gesetzt, in dem Landwirtschaft zu einem Beruf wird, der von Generation zu Generation und von Nachbarin zu Nachbar weitergegeben wird, ohne dass finanzielle oder technische Unterstützung von außen benötigt wird.

Farmer:innen am Bulungula Centre © Bulungula

Die Fördergelder vom Lemonaid & ChariTea e.V. setzt der Bulungula Incubator dafür ein, die Stipendien, Schulungen, technische Geräte und Saatgut für die Projektteilnehmer:innen zu bezahlen. Außerdem werden davon auch die administrativen Kosten des Bulungula Centres sowie Gehalt und Weiterbildung für den Projektmanager finanziert. Nicht zuletzt wollen wir auch den sehr wichtigen direkten Austausch zwischen unseren Projektpartner:innen fördern: Mitte 2021 plant das Projektteam vom Bulungula Incubator, das TransFARMation-Projekt unseres Partners UNM in Ruanda zu besuchen.

Solidarität in Zeiten der Krise

Wie alle Krisen, trifft auch die Corona-Pandemie in Armut lebende und sozial benachteiligte Menschen besonders schwer. Dies hat das Bulungula Centre schnell erkannt und als Reaktion auf die Pandemie ein umfangreiches Unterstützungsprogramm ins Leben gerufen. In enger Abstimmung mit der lokalen Führung, den Communities und Spezialist:innen für Infektionskrankheiten schufen sie beispielsweise in der dazugehörigen Bulungula Lodge ein sicheres Zuhause für über 70 besonders gefährdete Gemeindemitglieder. Weiterhin erstellten sie Informationsvideos und Plakate über das Coronavirus in verschiedenen lokalen Sprachen. Darüber hinaus versorgte das Team von Bulungula Incubator die Bevölkerung mit Setzlingen und anderen landwirtschaftlichen Produktionsmitteln zur Erhöhung der Ernährungssicherheit. Auch die Ausbildung der Kinder wurde nicht vernachlässigt: In Zusammenarbeit mit Lehrer:innen und Eltern etablierten sie Lernprogramme für zu Hause.

Die Corona-Krise zeigt: Starke, lokale Organisationen mit einem solidarischen und inklusiven Mindset sind wichtiger denn je. Deshalb freuen wir uns, den Bulungula Incubator für weitere drei Jahre als Partner unterstützen zu können. Professionelle Landwirtschaft schafft nicht nur nachhaltige Arbeitsplätze und Einkommen, sondern auch eine sichere Versorgung mit gesunden Nahrungsmitteln. Die damit in vielerlei Hinsicht verbesserten Lebensbedingungen können letztlich auch dazu führen, dass die Bevölkerung im Mbhashe Bezirk resilienter auf aktuelle und zukünftige Krisen reagieren kann.